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Wer ein Restaurant betritt, trifft innerhalb von Sekunden eine Entscheidung: Wohin setze ich mich? Die meisten Menschen folgen dabei einem Muster, das so verlässlich ist, dass man es in fast jedem Lokal beobachten kann. Wandplätze und Nischen füllen sich zuerst. Tische, die frei im Raum stehen, bleiben am längsten leer – und werden oft erst besetzt, wenn keine Alternative mehr bleibt.
Das ist kein Zufall, und es hat auch nichts mit Bequemlichkeit oder Aussicht zu tun. Dahinter steckt ein tiefes psychologisches Bedürfnis: das Bedürfnis nach Kontrolle über die eigene Umgebung.
Wer ein Restaurant betritt, trifft innerhalb von Sekunden eine Entscheidung: Wohin setze ich mich? Die meisten Menschen folgen dabei einem Muster, das so verlässlich ist, dass man es in fast jedem Lokal beobachten kann. Wandplätze und Nischen füllen sich zuerst. Tische, die frei im Raum stehen, bleiben am längsten leer – und werden oft erst besetzt, wenn keine Alternative mehr bleibt.
Das ist kein Zufall, und es hat auch nichts mit Bequemlichkeit oder Aussicht zu tun. Dahinter steckt ein tiefes psychologisches Bedürfnis: das Bedürfnis nach Kontrolle über die eigene Umgebung.
In unserem Ratgeber zur Geschäftsidee beschreiben wir, dass erfolgreiche Unternehmen vor allem eines tun: Sie reduzieren Unsicherheit. Kunden kaufen nicht, wenn sie sich unsicher fühlen – über das Produkt, den Anbieter oder die Situation. In der Gastronomie gilt dasselbe Prinzip, nur dass die Unsicherheit hier eine besonders körperliche Dimension hat.
Wenn ein Gast an einem freistehenden Tisch in der Mitte des Raums sitzt, weiß er nicht, was hinter seinem Rücken passiert. Wer betritt gerade das Lokal? Was macht der Kellner? Kommt jemand von hinten an seinen Tisch? Unser Sehfeld umfasst biologisch betrachtet nur etwa 180 Grad – was sich hinter uns abspielt, liegt außerhalb unserer Wahrnehmung. Das erzeugt eine unbewusste Anspannung, einen leisen Stress, den der Gast vielleicht nicht benennen kann, der aber seine Erfahrung im Restaurant spürbar beeinflusst.
In unserem Ratgeber zur Geschäftsidee beschreiben wir, dass erfolgreiche Unternehmen vor allem eines tun: Sie reduzieren Unsicherheit. Kunden kaufen nicht, wenn sie sich unsicher fühlen – über das Produkt, den Anbieter oder die Situation. In der Gastronomie gilt dasselbe Prinzip, nur dass die Unsicherheit hier eine besonders körperliche Dimension hat.
Wenn ein Gast an einem freistehenden Tisch in der Mitte des Raums sitzt, weiß er nicht, was hinter seinem Rücken passiert. Wer betritt gerade das Lokal? Was macht der Kellner? Kommt jemand von hinten an seinen Tisch? Unser Sehfeld umfasst biologisch betrachtet nur etwa 180 Grad – was sich hinter uns abspielt, liegt außerhalb unserer Wahrnehmung. Das erzeugt eine unbewusste Anspannung, einen leisen Stress, den der Gast vielleicht nicht benennen kann, der aber seine Erfahrung im Restaurant spürbar beeinflusst.
Die Umweltpsychologie beschreibt dieses Phänomen mit der sogenannten Prospect-Refuge-Theorie, die der Geograf Jay Appleton bereits in den 1970er Jahren formulierte. Sein Argument: Menschen fühlen sich wohl an Orten, die ihnen gleichzeitig Aussicht (prospect) und Schutz (refuge) bieten – also Orte, von denen aus sie ihre Umgebung überblicken können, ohne selbst exponiert zu sein.
Der evolutionäre Hintergrund liegt auf der Hand: Wer in einer Höhle saß, den Eingang im Blick hatte und selbst nicht gesehen wurde, war sicher. Wer frei in der Landschaft stand, war verwundbar. Diese Reflexe sind tief in uns verankert – auch wenn die Gefahren, vor denen wir uns heute in einem Restaurant schützen, keine existenziellen mehr sind.
Mehrere wissenschaftliche Studien haben die Prospect-Refuge-Theorie direkt auf Sitzplatzpräferenzen übertragen, unter anderem eine Untersuchung der University College London. Das Ergebnis war eindeutig: Sitzplätze mit hohem "refuge"-Charakter – also mit Rückendeckung und freiem Blick in den Raum – werden klar bevorzugt. Etwa 60 Prozent der Gäste wählen Booths gegenüber freistehenden Tischen, wenn sie die Wahl haben. Rund 70 Prozent wollen einen Platz, von dem aus sie den Eingang des Lokals im Blick haben.
Die Umweltpsychologie beschreibt dieses Phänomen mit der sogenannten Prospect-Refuge-Theorie, die der Geograf Jay Appleton bereits in den 1970er Jahren formulierte. Sein Argument: Menschen fühlen sich wohl an Orten, die ihnen gleichzeitig Aussicht (prospect) und Schutz (refuge) bieten – also Orte, von denen aus sie ihre Umgebung überblicken können, ohne selbst exponiert zu sein.
Der evolutionäre Hintergrund liegt auf der Hand: Wer in einer Höhle saß, den Eingang im Blick hatte und selbst nicht gesehen wurde, war sicher. Wer frei in der Landschaft stand, war verwundbar. Diese Reflexe sind tief in uns verankert – auch wenn die Gefahren, vor denen wir uns heute in einem Restaurant schützen, keine existenziellen mehr sind.
Mehrere wissenschaftliche Studien haben die Prospect-Refuge-Theorie direkt auf Sitzplatzpräferenzen übertragen, unter anderem eine Untersuchung der University College London. Das Ergebnis war eindeutig: Sitzplätze mit hohem "refuge"-Charakter – also mit Rückendeckung und freiem Blick in den Raum – werden klar bevorzugt. Etwa 60 Prozent der Gäste wählen Booths gegenüber freistehenden Tischen, wenn sie die Wahl haben. Rund 70 Prozent wollen einen Platz, von dem aus sie den Eingang des Lokals im Blick haben.
Dieselben Überlegungen dürften auf Bars erweiterbar sein, in denen die Gäste nicht sitzen, sondern stehen, z.B. an der Bar/dem Tresen. Es klingt paradox, dass es sinnvoll sein könnte, in einer solchen Bar den Ausschank bzw. Tresen in die Mitte des Raums zu platzieren. Viel einleuchtender wäre doch, den Ausschank an den Rand des Raums zu positionieren, um möglichst viel Platz im Raum für Gäste zu bieten, oder?
Doch auch hier kommt man an der Psychologie des Menschen nicht vorbei. Eine Bar, die genau im Zentrum des Raums positioniert ist (Inselbar), verschenkt zwar theoretisch Platz, bewirkt aber, dass die Gäste, die um sie herum sitzen, mehr Kontrolle über das haben, was in ihrem Rücken stattfindet. Hat der Gast die Bar vor sich, ist die Wand direkt hinter einem oder zumindest nicht weit weg. Umgekehrt besteht volle Kontrolle über das, was man vor sich findet, einen Rundumblick über den Tresen und die anderen Gäste der Bar. Diese Kontrolle fördert Sicherheit und das Wohlfühlen in der Bar. Man ist offener für soziale Kontakte. Kein Wunder, dass Inseltheken als klassische Begegnungszonen gelten.
Es gibt leider keine empirischen Studien, die hierzu harte Zahlen liefern. Aber Jon Taffer, einer der bekanntesten Bar-Experten der USA (TV-Format Bar Rescue), formuliert diese These in einem Interview: „Island bars are ideal because there's a circular pattern and people flow through. When you're sitting at the bar, you're not staring at the wall; you're staring at another person, so they're inherently more interactive and more comfortable." (Lazzaro, 2016, Ways to Arrange a Bar section). Eine Studie liefert zudem indirekte Unterstützung: 82,5 % der Befragten gaben dort an, dass die Form des Tresens die soziale Interaktion positiv oder negativ beeinflusst. Und die Beobachtungen zeigten konsistent: Gäste interagieren mit Fremden fast ausschließlich an der Bar, nicht an Tischen. Die Bar selbst ist der soziale Anker.
Dieselben Überlegungen dürften auf Bars erweiterbar sein, in denen die Gäste nicht sitzen, sondern stehen, z.B. an der Bar/dem Tresen. Es klingt paradox, dass es sinnvoll sein könnte, in einer solchen Bar den Ausschank bzw. Tresen in die Mitte des Raums zu platzieren. Viel einleuchtender wäre doch, den Ausschank an den Rand des Raums zu positionieren, um möglichst viel Platz im Raum für Gäste zu bieten, oder?
Doch auch hier kommt man an der Psychologie des Menschen nicht vorbei. Eine Bar, die genau im Zentrum des Raums positioniert ist (Inselbar), verschenkt zwar theoretisch Platz, bewirkt aber, dass die Gäste, die um sie herum sitzen, mehr Kontrolle über das haben, was in ihrem Rücken stattfindet. Hat der Gast die Bar vor sich, ist die Wand direkt hinter einem oder zumindest nicht weit weg. Umgekehrt besteht volle Kontrolle über das, was man vor sich findet, einen Rundumblick über den Tresen und die anderen Gäste der Bar. Diese Kontrolle fördert Sicherheit und das Wohlfühlen in der Bar. Man ist offener für soziale Kontakte. Kein Wunder, dass Inseltheken als klassische Begegnungszonen gelten.
Es gibt leider keine empirischen Studien, die hierzu harte Zahlen liefern. Aber Jon Taffer, einer der bekanntesten Bar-Experten der USA (TV-Format Bar Rescue), formuliert diese These in einem Interview: „Island bars are ideal because there's a circular pattern and people flow through. When you're sitting at the bar, you're not staring at the wall; you're staring at another person, so they're inherently more interactive and more comfortable." (Lazzaro, 2016, Ways to Arrange a Bar section). Eine Studie liefert zudem indirekte Unterstützung: 82,5 % der Befragten gaben dort an, dass die Form des Tresens die soziale Interaktion positiv oder negativ beeinflusst. Und die Beobachtungen zeigten konsistent: Gäste interagieren mit Fremden fast ausschließlich an der Bar, nicht an Tischen. Die Bar selbst ist der soziale Anker.
Viele Gastronomen denken bei der Einrichtung vor allem ästhetisch: Welcher Stil passt zum Konzept? Welche Farben, welche Materialien, welches Licht? All das ist wichtig – greift aber zu kurz, wenn die Grundstruktur des Raumes das Wohlbefinden der Gäste systematisch untergräbt.
Die Anordnung von Tischen oder Bar ist eine strategische Entscheidung, die mindestens so viel Einfluss auf den Erfolg eines Restaurants hat wie die Gestaltung der Speise- oder Getränkekarte. Wer versteht, dass Gäste Kontrolle über ihre Umgebung brauchen, um sich zu entspannen, zu genießen und lange zu bleiben, entwirft seinen Gastraum mit anderen Augen.
Erfolgreiche Gastronomie beseitigt Unsicherheit – nicht nur bei der Buchung, beim Service oder beim Preis, sondern auch ganz physisch: am Tisch selbst, in dem Moment, in dem ein Gast sich umsieht und entscheidet, ob er sich hier wohlfühlen wird.
Mehr zum Thema Unsicherheit als zentralem Faktor für Geschäftserfolg findest du in unserem Ratgeber Geschäftsidee entwickeln – insbesondere im Artikel Welche Rolle spielt Unsicherheit beim Kunden?
Viele Gastronomen denken bei der Einrichtung vor allem ästhetisch: Welcher Stil passt zum Konzept? Welche Farben, welche Materialien, welches Licht? All das ist wichtig – greift aber zu kurz, wenn die Grundstruktur des Raumes das Wohlbefinden der Gäste systematisch untergräbt.
Die Anordnung von Tischen oder Bar ist eine strategische Entscheidung, die mindestens so viel Einfluss auf den Erfolg eines Restaurants hat wie die Gestaltung der Speise- oder Getränkekarte. Wer versteht, dass Gäste Kontrolle über ihre Umgebung brauchen, um sich zu entspannen, zu genießen und lange zu bleiben, entwirft seinen Gastraum mit anderen Augen.
Erfolgreiche Gastronomie beseitigt Unsicherheit – nicht nur bei der Buchung, beim Service oder beim Preis, sondern auch ganz physisch: am Tisch selbst, in dem Moment, in dem ein Gast sich umsieht und entscheidet, ob er sich hier wohlfühlen wird.
Mehr zum Thema Unsicherheit als zentralem Faktor für Geschäftserfolg findest du in unserem Ratgeber Geschäftsidee entwickeln – insbesondere im Artikel Welche Rolle spielt Unsicherheit beim Kunden?